Dispersionsfarbe

Hinweis: Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen wurden nicht anwaltlich geprüft und stellen keine Rechtsberatung dar. Die Informationen sind die Meinung des jeweiligen Fachautoren, von allgemeiner Natur und dienen ausschließlich zu Informationszwecken.


Dispersionsfarbe ist ein Beschichtungsstoff, dessen Bestandteile fein verteilt in einem flüssigen Medium vorliegen. Im Bau- und Renovierungsbereich bezeichnet der Begriff überwiegend wasserbasierte Wand- und Deckenfarben mit organischen Bindemitteln, meist Kunstharzen. Sie gehören zu den verbreiteten Anstrichmitteln für Innenräume. Speziell formulierte Dispersionsfarben werden außerdem an Fassaden eingesetzt. Kennzeichnend sind ihre vielseitige Verwendbarkeit, eine große Farbtonauswahl und die Verarbeitung mit Rolle, Pinsel oder geeigneten Spritzgeräten.

Begriff und Zusammensetzung

Eine Dispersion ist ein Gemisch, bei dem eine Substanz fein verteilt in einer anderen vorliegt, ohne sich vollständig darin aufzulösen. Bei üblichen Dispersionsfarben sind unter anderem die Bindemittelteilchen in Wasser verteilt. Der Begriff beschreibt somit zunächst den Aufbau des Materials und keine bestimmte Qualitätsstufe. Deckvermögen, Belastbarkeit und weitere Eigenschaften ergeben sich erst aus der jeweiligen Rezeptur.

Bindemittel

Das Bindemittel sorgt dafür, dass die getrocknete Farbe zusammenhält und auf dem Untergrund haftet. Verwendet werden beispielsweise Acrylat-, Styrolacrylat- oder Vinylacetat-Copolymere. Art und Anteil des Bindemittels beeinflussen unter anderem Haftung, Widerstandsfähigkeit und Wasserbeständigkeit. Die Bezeichnung „Kunstharzdispersionsfarbe“ grenzt solche Produkte genauer von anderen Beschichtungsstoffen ab. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird dafür meist die kürzere Bezeichnung Dispersionsfarbe verwendet.

Pigmente, Füllstoffe und Zusatzmittel

Pigmente bestimmen Farbton und Deckvermögen. Für weiße Farben wird häufig Titandioxid eingesetzt. Mineralische Füllstoffe wie Calciumcarbonat beeinflussen unter anderem Oberflächenstruktur, Glanzgrad und Verarbeitungsverhalten. Hinzu kommen kleine Mengen an Zusatzmitteln, beispielsweise zur Regulierung der Konsistenz, zur Stabilisierung des Gemischs oder zur Verminderung von Schaumbildung. Je nach Rezeptur können Konservierungsmittel enthalten sein. Wasser dient hauptsächlich als Verteilungsmedium und ermöglicht die gebrauchsfertige, streichfähige Konsistenz.

Trocknung und Filmbildung

Nach dem Auftragen verdunstet Wasser; ein Teil kann zunächst auch in einen saugfähigen Untergrund gelangen. Die Bindemittelteilchen rücken zusammen und bilden unter geeigneten Bedingungen einen zusammenhängenden Film. Dieser hält Pigmente und Füllstoffe fest und verbindet die Beschichtung mit der Oberfläche. Die Filmbildung setzt eine ausreichende Temperatur voraus. Zu kalte Untergründe oder eine Verarbeitung außerhalb der Herstellerangaben können die spätere Beschichtungsqualität beeinträchtigen.

Oberflächliche Trockenheit, Überstreichbarkeit und vollständige Belastbarkeit werden nicht gleichzeitig erreicht. Eine bereits trocken wirkende Wand kann noch empfindlich auf Feuchtigkeit oder mechanische Beanspruchung reagieren. Die erforderlichen Zeiten hängen von Produkt, Schichtdicke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Wasserverdünnbarkeit im frischen Zustand bedeutet außerdem nicht, dass sich eine korrekt getrocknete Dispersionsfarbe anschließend einfach wieder mit Wasser auflösen lässt.

Eigenschaften und Qualitätsmerkmale

Dispersionsfarben unterscheiden sich erheblich in ihren technischen Eigenschaften. Eine günstige Deckenfarbe kann für wenig beanspruchte Flächen ausreichen, während häufig gereinigte Wände eine belastbarere Beschichtung benötigen. Für Innenfarben liefern Angaben nach DIN EN 13300 eine Grundlage zur Einordnung. Besonders relevant sind Deckvermögen beziehungsweise Kontrastverhältnis, Nassabriebbeständigkeit und Glanzgrad. Produktnamen oder allgemeine Werbeaussagen ersetzen diese Angaben nicht.

Deckvermögen

Das Deckvermögen beschreibt, wie gut eine Farbe Farbunterschiede des Untergrunds verdeckt. Bei der entsprechenden Klassifizierung steht Klasse 1 für das höchste Deckvermögen. Die Einstufung gilt jedoch bei einer angegebenen Ergiebigkeit. Sie muss deshalb zusammen mit der vorgesehenen Auftragsmenge betrachtet werden. Auch eine hoch deckende Farbe kann einen zweiten Anstrich benötigen, etwa bei starken Farbwechseln, ungleichmäßiger Saugfähigkeit oder zu dünnem Auftrag.

Nassabriebbeständigkeit

Die Nassabriebbeständigkeit beschreibt den Widerstand einer Beschichtung gegen standardisierten feuchten Abrieb. Klasse 1 kennzeichnet die höchste, Klasse 5 die geringste Beständigkeit innerhalb dieser Einteilung. Daraus lässt sich jedoch nicht unmittelbar ableiten, wie gut jeder einzelne Fleck entfernt werden kann. Fett, intensive Farbstoffe oder aggressive Reinigungsmittel können selbst widerstandsfähige Oberflächen verändern. Ebenso sind Nassabriebbeständigkeit und Kratzfestigkeit unterschiedliche Eigenschaften.

Glanz und Wasserdampfdurchlässigkeit

Dispersionsfarben sind in unterschiedlichen Glanzgraden erhältlich. Matte Oberflächen reflektieren Licht weniger gerichtet und lassen kleinere Unebenheiten häufig unauffälliger erscheinen. Glänzendere Beschichtungen betonen die Oberflächenstruktur stärker. Die Wasserdampfdurchlässigkeit hängt dagegen vom Bindemittel, der Rezeptur und der Schichtdicke ab. Dispersionsfarben sind nicht grundsätzlich dampfdicht. Die verbreitete Bezeichnung „atmungsaktiv“ ist technisch unscharf: Gemeint ist gewöhnlich die Durchlässigkeit für Wasserdampf, nicht ein Luftaustausch durch die Wand.

Einsatzgebiete und geeignete Untergründe

Im Innenbereich werden Dispersionsfarben vor allem auf Wänden und Decken eingesetzt. Geeignete Untergründe können mineralische Putze, Beton, vorbereitete Gipskartonplatten sowie überstreichbare Tapeten sein. Auch tragfähige Altanstriche lassen sich häufig überarbeiten. Voraussetzung ist jeweils die Eignung des konkreten Produkts. Für Holz, Metall oder dauerhaft wasserbelastete Flächen sind gewöhnliche Wanddispersionsfarben in der Regel keine passende Beschichtung.

Fassadenfarben müssen zusätzliche Anforderungen erfüllen, insbesondere hinsichtlich Witterung, Wasseraufnahme und Haftung im Außenbereich. Eine Innenfarbe darf deshalb nicht allein aufgrund ihrer Bezeichnung als Dispersionsfarbe außen eingesetzt werden. Umgekehrt sind Fassadenprodukte nicht automatisch für Wohnräume geeignet. Verwendungszweck und Freigaben ergeben sich aus dem technischen Merkblatt.

Untergrundvorbereitung und Verarbeitung

Der Untergrund muss tragfähig, sauber, ausreichend trocken und mit dem vorgesehenen Beschichtungsaufbau verträglich sein. Lose Farbschichten, Staub und haftungsmindernde Verunreinigungen werden entfernt. Fehlstellen benötigen eine geeignete Ausbesserung. Stark oder ungleichmäßig saugende Flächen können eine abgestimmte Grundierung erfordern. Auf intakten, gleichmäßig saugenden Altbeschichtungen ist eine zusätzliche Grundierung dagegen nicht grundsätzlich notwendig.

Vor der Verarbeitung wird die Farbe gründlich aufgerührt. Eine Verdünnung erfolgt ausschließlich im zugelassenen Umfang, da übermäßige Wasserzugabe Deckvermögen und Schichtbildung beeinträchtigen kann. Größere Flächen werden mit gleichmäßigem Materialauftrag nass in nass bearbeitet. Benachbarte Bahnen greifen dabei ineinander, solange die Farbe noch offen ist. Zu frühes Überstreichen und wiederholtes Nachrollen bereits antrocknender Bereiche können sichtbare Ansätze verursachen.

Abgrenzung zu anderen Farbarten

Silikatfarben verwenden Wasserglas als mineralisches Bindemittel und können sich mit geeigneten mineralischen Untergründen durch Verkieselung verbinden. Kalkfarben beruhen auf einem kalkgebundenen System. Ihre Untergrundanforderungen und ihre Erhärtung unterscheiden sich von denen üblicher Kunstharzdispersionsfarben. Mischformen wie Dispersionssilikatfarben enthalten zusätzlich organische Bestandteile und müssen nach ihrem konkreten Aufbau beurteilt werden.

Als Latexfarben angebotene Innenfarben sind heute überwiegend ebenfalls Dispersionsfarben. Der Name weist nicht zwangsläufig auf enthaltenen Naturkautschuk hin. Häufig bezeichnet er besonders strapazierfähige Produkte. Auch „Acrylfarbe“ ist kein eindeutiger Gegenbegriff zur Dispersionsfarbe: Eine wasserbasierte Wandfarbe mit Acrylatbindemittel kann beiden Bezeichnungen entsprechen.

Emissionen, Lagerung und Entsorgung

Wasserbasierte Dispersionsfarben sind nicht automatisch frei von flüchtigen Bestandteilen oder Konservierungsmitteln. Für Innenräume sind nachvollziehbare Angaben zu Emissionen und Inhaltsstoffen hilfreich. „Lösemittelfrei“, „emissionsarm“ und „konservierungsmittelfrei“ beschreiben unterschiedliche Eigenschaften und dürfen nicht gleichgesetzt werden. Maßgeblich sind die Produktinformationen einschließlich gegebenenfalls verwendeter Abtönmittel.

Die Lagerung erfolgt dicht verschlossen und entsprechend den Herstellerangaben, üblicherweise frostgeschützt. Flüssige Farbreste gehören nicht in den Abfluss. Ihre Entsorgung richtet sich nach den örtlichen Vorgaben. Insgesamt bezeichnet Dispersionsfarbe eine vielseitige Produktgruppe, deren Eignung sich erst aus Rezeptur, Untergrund und vorgesehener Beanspruchung zuverlässig beurteilen lässt.