Investment

Wulff Aengevelt von Aengevelt Immobilien „Grunderwerbsteuererhöhung: Sozial ungerecht und rechnet sich nicht“

Wulff Aengevelt ist geschäftsführender Gesellschafter bei Aengevelt Immobilien.

Warum die Grunderwerbsteuererhöhungen nicht nur unsozial, sondern auch eine Milchmädchen-Rechnung sind, erläutert Wulff Aengevelt, geschäftsführender Gesellschafter bei Aengevelt Immobilien.


19.04.2017 um 10:07 Uhr
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2016 wurden in Deutschland auf konventionellem Wege rund 241 Milliarden Euro in Immobilien investiert. Laut IVD bescherte das dem Fiskus Mehreinnahmen aus der Grunderwerbsteuer in Höhe von rund 12,4 Milliarden Euro. Doppelt freuen konnten sich die Bundesländer Saarland und Nordrhein-Westfalen: Sie erzielten nicht nur die höchsten Umsatzzuwächse, sondern kassierten dank der bundesweit (bislang) höchsten Grunderwerbsteuer von 6,5 Prozent auch am meisten ab. In den anderen Bundesländern mit diesem Steuersatz – Brandenburg, Schleswig-Holstein und Thüringen – fiel der Zuwachs geringer beziehungsweise sogar negativ aus. Das mag zum Teil daran gelegen haben, dass mancher Privathaushalt aufgrund der Grunderwerbsteuererhöhung um 86 Prozent von 3,5 Prozent auf 6,5 Prozent den Erwerb verschieben muss oder ihn sich gar nicht mehr leisten kann.

Wie sozial ungerecht diese Erhöhung ist, zeigt ein einfaches Rechenbeispiel: Bei einem angenommenen Kaufpreis von 300.000 Euro für ein kleineres Einfamilienhaus oder eine Eigentumswohnungen bedeutet die Erhöhung einen Anstieg der Grunderwerbsteuer von 10.500 Euro (Steuersatz: 3,5 Prozent) auf 19.500 Euro (Steuersatz: 6,5 Prozent), also Mehrkosten von 9.000 Euro. Diese sind in der Regel durch Eigenleistung des Käufers zu erbringen, das heißt durch eigene Sparleistung. Nimmt man - optimistisch - eine beachtliche jährliche Sparleistung von 5.000 Euro an, bedeutet dies eine Verzögerung von knapp zwei Jahren, bis der Mehrbetrag angespart ist.

In dieser Zeit steigen indessen auch die Grundstücks- und Baukosten. Geht man hier – bewusst konservativ – von lediglich zwei Prozent jährlich aus, bedeutet dies zusätzliche Mehrkosten von 6.000 Euro pro Jahr, das heißt mehr als die jährliche Sparleistung.

Konsequenz: Der Erwerb von Wohneigentum verzögert sich nicht, er fällt – insbesondere für Schwellenhaushalte - komplett aus. Das ist im höchsten Maße unsozial.

Zudem rechnet sich die Grunderwerbsteuererhöhung nicht, denn sie führt bei größeren Immobilientransaktionen im zweistelligen Mio. Euro-Bereich aufwärts vermehrt zu Steuervermeidung mittels Share-Deals, also dem Erwerb von Geschäftsanteilen, bei denen bis zu einem Anteil von knapp 95 Prozent keine Grunderwerbsteuer anfällt.

Nach unseren Recherchen wurden auf diese Weise in Düsseldorf (Grunderwerbsteuersatz: 6,5 Prozent) allein im Jahre 2016 Immobilien mit einem Volumen von geschätzt 634 Millionen kontrahiert. In Berlin (6,0 Prozent) waren es 2,6 Milliarden Euro und in Frankfurt (6,0 Prozent) sogar mehr als 3 Milliarden Euro. Die dadurch entgangenen Steuereinnahmen belaufen sich in Düsseldorf auf mehr als 40 Millionen Euro, in Berlin auf über 150 Millionen Euro und in Frankfurt auf rund 190 Millionen Euro. Hinzu kommt, dass vergleichbare Immobilien im Laufe ihres Lebenszyklus nicht einmal, sondern zehn bis 15 Mal verkauft werden, oftmals mit weiter steigenden Kaufpreisen. Und genauso oft entgehen dem Fiskus die entsprechenden Grunderwerbsteuereinnahmen.

Grunderwerbsteuererhöhungen – Ende offen! – sind also nicht nur unsozial, sondern auch eine Milchmädchen-Rechnung. Deshalb empfehlen wir eine bundesweite Rücknahme der Grunderwerbsteuererhöhungen auf wieder 3,5 Prozent mit mehreren positiven Effekten:

  1. Tausende Haushalte könnten sich - auch zur Altersvorsorge - den Erwerb von selbstgenutztem Eigentum leisten

  2. Die mittels Share-Deals zur Steuervermeidung aufgeblähten Transaktionsvolumina würden sich wieder deutlich zurückbilden

  3. Hierdurch gibt es Steuereinnahmen statt Steuerausfälle!
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