Markt

Analyse von Cushman & Wakefield Weltweiter Bauboom: Werden zu viele Büros gebaut?

Die EZB in Frankfurt. In der Main-Metropole und Berlin werden die Büromieten in den kommenden Jahren am stärksten wachsen.

Rund 65 Millionen Quadratmeter neue Büroflächen kommen bis Ende 2019 weltweit auf den Markt, heißt es im Global Office Forecast-Report von Cushman & Wakefield. Das Angebot ist größer als die Nachfrage.


09.08.2017 um 16:01 Uhr
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Weltweit ist derzeit ein beispielloser Büroflächenbauboom in Gang. Rund 65 Millionen Quadratmeter neue Büroflächen kommen bis Ende 2019 auf den Markt, heißt es im Global Office Forecast-Report von Cushman & Wakefield. Dieses Neubauvolumen entspricht dem gesamten Büroflächenbestand der fünf Großstädte Washington D.C., Dallas, London, Singapur und Shanghai.

Obwohl sich die Nachfrage mit rund 48 Millionen Quadratmetern im Zeitraum 2017 bis 2019 auf einem gesunden Niveau bewegt, bleibt sie deutlich hinter dem Angebot zurück, was zu einem Anstieg des Leerstands in den meisten Städten der Welt führen wird, heißt es von Cushman & Wakefield. Wird aktuell zu viel gebaut?

Naja: In den vergangenen Jahren wurde mehr als deutlich, dass Nutzer bei ihrer globalen Expansion im Allgemeinen neue, qualitativ hochwertige Büroflächen älteren Flächen in B- oder C-Objekten vorziehen. In den USA beispielsweise machen neu errichtete, qualitativ hochwertige Flächen 65 Prozent der gesamten Büroflächenabsorption seit 2012 aus. In diesem Zyklus hatten Projektentwickler meistens Erfolg mit Top-Produkten, sogar in Märkten mit hohen Leerstandquoten. Hinzu kommt, dass die Kombination einer schnell wachsenden globalen Wirtschaft mit niedrigen Zinsen eine gute Voraussetzung für eine dynamische Nachfrage nach Büroflächen darstellt. Chef-Volkswirt Kevin Thorpe von Cushman & Wakefield: „Die Mehrheit der Projektentwickler konzentriert sich auf die weltweit wichtigen Städte; genau dort, wo der Hunger nach neuen Hochglanz-Gebäuden am größten ist. Um die Vermietung der Büroneubauten mache ich mir daher keine Sorgen, da dieses Angebot die Nutzerbedürfnisse befriedigt. Ich bin eher besorgt darüber, was diese Angebotswelle für schlechter ausgestattete Objekte bedeutet. Ich fürchte, dass hier ein harter Wettbewerb bevorsteht.“

Europas Büromarkt am ausgeglichensten
Die Entwicklungspipeline in Europa ist gut gefüllt, jedoch nicht so hoch wie in den Regionen Asien-Pazifik und Amerika. Einige wichtige europäische Büromärkte, wie beispielsweise Paris, London und Brüssel, werden in den kommenden zwei Jahren einen zyklischen Höhepunkt der Neubauaktivitäten erreichen, dennoch werden die Leerstandsraten niedriger sein als vor der Finanzkrise.

Elisabeth Troni, Leiterin des EMEA-Research & Insight bei Cushman & Wakefield: „Eine genaue Vorhersage, wann Flächen auf den Markt kommen, ist nicht für alle geplanten Projekte möglich, da einige Entwickler noch vorsichtig agieren aufgrund der Unsicherheiten durch die EU-Brexit-Verhandlungen. Insgesamt präsentieren sich die Rahmenbedingungen des Büromarktes in Europa noch weitgehend ausgeglichen und unterstützen somit die nächste Etappe des Zyklus.“

In den Top 10 der Märkte mit dem höchsten zu erwartenden durchschnittlichen jährlichen Mietwachstum finden sich unter den ersten vier Madrid, Berlin und Stockholm. Frankfurt, Mailand und Budapest haben es ebenso unter die ersten zehn geschafft. „Berlin und Frankfurt werden auch in den kommenden Jahren zu den Städten in Deutschland mit dem stärksten Anstieg der Büromieten gehören. Das liegt am Mangel an hochwertigen neuen Flächen an beiden Standorten und in Frankfurt zusätzlich an den steigenden Anfragen von in London ansässigen Finanzunternehmen, die sich nach Alternativen im Falle eines harten Brexit umsehen“, so Heiko Himme, Niederlassungsleiter Berlin und Leiter der Office Agency Germany bei Cushman & Wakefield.


Kernergebnisse für Europa

  • Berlin und München werden 2019 mit 3,1 Prozent beziehungsweise 3,3 Prozent die zweit- beziehungsweise drittniedrigsten Leerstandsraten der Welt aufweisen.
  • In den kommenden drei Jahren wird das Fertigstellungsvolumen voraussichtlich in Istanbul, London, Brüssel, Wien und Dublin deutlich steigen. In Istanbul, Kopenhagen und London wird 2017 das höchste Fertigstellungsvolumen seit der großen Finanzkrise 2017 realisiert.
  • Am anderen Ende der Skala, in Stockholm, Amsterdam und Helsinki, wird der Büroflächenbestand am geringsten durch Neubau wachsen. Daher werden hier ein höheres Mietwachstumspotenzial und ein niedrigerer Leerstand erwartet.
  • Beim Bürobeschäftigtenwachstum der EDV- und Kommunikationsbranche werden Budapest, Dublin, Kopenhagen und Madrid führen.
  • Brexitbezogene Unsicherheiten werden voraussichtlich das Bürobeschäftigungswachstum in London hemmen, aber der Leerstand wird voraussichtlich mit weniger als 5 Prozent immer noch gering bleiben.

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