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Regulierungs-Pläne Was das Winterpaket der EU für die Immobilienwirtschaft bedeutet

Elektroautos auf der Straße, dezentrale Energieversorgung auf den Dächern und große öffentliche Grünanlagen: So könnte die Berliner Karl-Marx-Allee im Jahr 2035 aussehen, wenn es nach dem Berliner Architekturbüro Lava geht.

Die EU-Kommission nimmt mit ihrem Winterpaket zum Klimaschutz verstärkt die Immobilienwirtschaft ins Visier. Was auf die Branche zukommt.

Von: Christian Teßmann & Sophia Truong
16.05.2017 um 16:48 Uhr
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Ende November vergangenen Jahres hat die Kommission der Europäischen Union (EU) ihr sogenanntes Winterpaket vorgestellt. Vier weitere Richtlinien und vier Verordnungen sollen auf EU–Ebene künftig für mehr Energieeffizienz sorgen, das Klima schützen, aber auch Anreize zur Schaffung neuer Arbeitsplätze geben. Das mehr als tausendseitige Konvolut enthält Vorgaben für eine ganze Reihe von Branchen, sendet aber ein entscheidendes Signal in Richtung Immobilienwirtschaft: Auch auf EU-Ebene wird die Branche verstärkt ins Visier genommen. Immerhin gehen rund 40 Prozent des CO2-Ausstoßes auf das Konto des Gebäudebereichs. Bis die Richtlinien in den Mitgliedsstaaten umgesetzt sind, ist sicherlich mit einer Reihe von Anpassungen zu rechnen. Doch man sollte das Winterpaket nicht unterschätzen. Das Gesetzgebungsverfahren auf europäischer Ebene hat unmittelbaren Einfluss auf die bundesdeutsche Gesetzgebung. So können die EU-Verordnungen sofort angewendet werden. Richtlinien wie die Energieeffizienzrichtlinie und die Gebäudeeffizienzrichtlinie bedürfen indes noch der Umsetzung in nationales Recht.

Die EU-Kommission will mit dem neuen Regelwerk die Energieeffizienz um bis zu 30 Prozent erhöhen. Der Begriff der Sektorenkopplung steht dabei für ein neues Verständnis des Zusammenspiels aller klimarelevanten Branchen. Denn bisher wurden die Sektoren Elektrizität, Wärmeversorgung und Verkehr weitgehend isoliert betrachtet. Inzwischen setzt sich aber die Einsicht durch, dass eine Verzahnung dieser Sektoren entscheidend ist, um beim Klimaschutz etwas zu erreichen. Zur Entwicklung von Immobilienprojekten für morgen und übermorgen gehören also Lösungen, die die Sektorenkopplung Wärme-Strom-Mobilität berücksichtigen. Dieses Zusammenspiel stellt die Immobilienwirtschaft vor neue Anforderungen. Dezentrale Versorgungsformen verdrängen die klassische Wärmeversorgung mithilfe fossiler Brennstoffe immer stärker. Das eröffnet Chancen für neue Geschäftsmodelle, die die Attraktivität und Werthaltigkeit von Immobilien steigern. Es geht um Lösungen für die Eigenversorgung, Mieterstrom, Ladeinfrastruktur und Batteriespeicher, die von ganzen Vierteln genutzt werden. Nicht nur die Energiebranche, auch die Immobilienwirtschaft muss nun zeitgemäße Angebote machen. Drei Viertel der 350 Experten, die im Rahmen der Studie „Delphi Energy Future 2040: Wie gestaltet sich die Energiezukunft in Deutschland, in Europa und in der Welt im Jahr 2040?“ befragt wurden, glauben, dass die „All Electric Society“ im Jahr 2040 Realität sein wird. Eine Gesellschaft also, in der sich die Energiewirtschaft zu einer Stromwirtschaft gewandelt hat.

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