Thema Immobilienmanager

Proptech App statt Hausaushang

Das „The Edge” in Amsterdam ist eines der digitalisiertesten Bürogebäude der Welt. Die Mitarbeiter können beispielsweise Licht und Temperatur an ihrem Arbeitsplatz individuell über ihre Smartphones einstellen.

Junge Firmen wollen mit digitalen Ansätzen die Immobilienbranche revolutionieren. Da muss die Frage erlaubt sein: Können die das? Und was ist heute schon alles im Angebot?

Von: Lennard Jähne
04.07.2016 um 09:37 Uhr
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Eine neue Welle hat die deutsche Immobilienbranche erfasst: Bereits mehr als 100 Start-ups widmen sich dem Thema Property Technology, kurz Proptech. Mit ihrer online-basierten Dienstleistung helfen die neuen Firmen beispielsweise, den optimalen Mieter oder den richtigen Makler zu finden. Andere wiederum vereinfachen das Darlehens- und Hypothekenmanagement oder öffnen mittels Schwarmfinanzierung Immobilienprojekte für Kleinanleger.

Proptechs sind überall da, wo es um Daten und deren Verwertung geht. „Sie beschleunigen die digitale Transformation innerhalb der Immobilienwirtschaft und fordern damit die tradierte Branche heraus“, fasst Kai Zimprich, Leiter des Bereichs Digitale Services von Jones Lang Lasalle (JLL) die neue Vielfalt zusammen. „Die Digitalisierung wird wie in anderen Bereichen das Leben vereinfachen und uns viel Zeit und Geld sparen“, ergänzt Christoph Gerlinger, Gründer und Geschäftsführer von German Startups in Berlin. Er sieht die Branche auf einem guten Weg: „Im Vergleich mit anderen Ländern hinkt Deutschland im Bereich Proptech keineswegs hinterher. Hierzulande entstehen vielfältige Plattformen.“ Dabei tut sich Gerlinger zufolge vor allem die Hauptstadt hervor, weil Berlin „nach dem Fall der Mauer Kreative durch günstige Lebenshaltungskosten und ein spannendes kulturelles Lebensumfeld angezogen hat“. Die Politik habe gut daran getan, das laufen zu lassen, sodass sich auf natürliche Art ein Ökosystem entwickeln konnte.

Netzwerk, Netzwerk, Netzwerk

Auf weiter innovationsfreundliche Rahmenbedingungen hofft auch Martin Rodeck, Vorstandsvorsitzender von OVG Real Estate und Innovationsbeauftragter des Zentralen Immobilien Ausschusses (ZIA). Die Gründer könnten dieses Umfeld selbst noch weiter verbessern. Wie? Indem sie mehr miteinander reden. Rodeck: „In London werden bereits ganze Häuser von Proptech-Unternehmen gebaut, die voneinander profitieren. Hierzulande beschränken sich dagegen mehr als zwei Drittel der Prop Techs noch auf den Maklerbereich.“

Miteinander zu reden, um voneinander zu profitieren wird künftig immer wichtiger, ist auch JLL-Experte Zimprich überzeugt: „Bei Immobilien heißt es Lage, Lage, Lage. Hier heißt es Netzwerk, Netzwerk, Netzwerk.“ Wer diesen Rat befolge, könne der Immobilienbranche künftig nachhaltig seinen Stempel aufdrücken. Zimprich geht davon aus, dass es künftig zu einer stärkeren Verzahnung zwischen klassischen Immobilienfirmen und Proptechs kommen wird: „Das nützt beiden Seiten.“

Bis es so weit ist, müssen die Proptechs aber wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit in der Branche leisten. „Die Beschäftigung mit Innovationsthemen findet tendenziell erst dann statt, wenn von extern entsprechender Druck entsteht, etwa durch Gesetzesänderungen“, sagt Peter Schindlmeier, Chef des Proptech-Unternehmens Casavi. Das führe zwangsläufig dazu, dass die Branche bisher kaum innovative Akzente setze.

„Neue Ideen zu platzieren ist nun einmal eine ganz besondere Herausforderung“, sagt der Düsseldorfer Unternehmensberater Peter Barkow. Deshalb bräuchten Prop Techs vor allem Durchhaltevermögen. Das musste auch schon die Branchen-Größe Rocket Internet feststellen. Seine im Sommer 2015 gegründete Makler-Plattform Vendomo hat den Betrieb bereits im Januar 2016 wieder eingestellt. „Welche Bedeutung dies für den Markt hat, bleibt abzuwarten“, so Barkow.

Im Folgenden porträtiert DIE IMMOBILIE fünf Proptechs aus unterschiedlichen Bereichen des Marktes – vom Projekt- und Mieter-Management (Casavi) bis zur Plattform für virtuelle Besichtigungstouren (Navvis).

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1. Seite: Netzwerk, Netzwerk, Netzwerk
2. Seite: Casavi, Kiwi.Ki
3. Seite: Desk.Immo, Leverton, Navvis
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