Thema Energieeffizienz

Nachhaltige Fassaden Außenwände können mehr als Wärmedämmung

Die Al-Bahar-Tüme in Abu Dhabi. Die Fassade der 29 Stockwerke hohen Wolkenkratzer trägt eine Hülle, die sich nach dem Einfall des Sonnenlichts ausrichtet. Dieser bewegliche Sonnenschutz verschattet das Gebäude und kühlt die Räume. Das spart viel Energie für die Klimaanlage.

Klassische Styroporplatten zur Wärmedämmung sind mittlerweile überholt. Inzwischen gibt es deutlich umweltfreundlichere Alternativen, die auch noch gut aussehen.

Von: Harald Henkel
25.08.2016 um 16:55 Uhr
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„Statt sie im Supermarkt zu kaufen, können die Menschen ihre Erdbeeren, Kartoffeln, Gurken und Zucchini schon bald von den Fassaden und Dächern ihrer Häuser ernten“, sagte Garry Grueber schon 2014 auf einer Tagung der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau. Er ist geschäftsführender Gesellschafter von Cultivaris, einem internationalen Dienstleister, der Ideen und Projektmanagement rund um das Thema Begrünung anbietet, und Partner von Global Breadfruit, einer Initiative, die die Verbreitung der Brotfrucht als Nahrungsmittel fördert. „Grüne Dächer und Wände werden in Zukunft die Städte gestalten“, so der studierte Gartenbauer. 

Seine Vision ist zwar noch nicht ganz in der Realität angekommen. Aber Dachgärten und bepflanzte Fassaden sind beim Stadtspaziergang immer öfter zu sehen. Der Vorteil: Die Blätter verdunsten Regenwasser und kühlen dadurch die Gebäude und sogar ganze Stadträume. Es ist das gleiche Prinzip wie beim Schwitzen des menschlichen Körpers. Die Begrünung verbessert das Stadtklima, schafft Lebensraum für Insekten und Schmetterlinge und entlastet bei starkem Regen die Kanalisation. Wer sich schlau anstellt, kann sogar seinen eigenen Wein von der Wand ernten. Allerdings können Kletterpfanzen Dach und Fassade auch schädigen, wenn sie nicht richtig gepflegt werden. Normale Fassaden erfordern allerdings auch Pflege. Aber das Grün ist kein Zwang. Pflanzen sind nur eine Alternative, Fassaden nachhaltig zu gestalten.

Das Bewusstsein dafür, dass Außenwände mehr als nur reine Wärmedämmung sein sollten, ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Insbesondere die Diskussion um die sogenannten Wärmedämmverbundsysteme, die überwiegend mit sogenannten EPS-Platten aus expandiertem Polystyrol, besser bekannt unter der Marke Styropor, konstruiert werden, hat bei vielen Bauherren und Investoren zu einem Umdenken geführt. Die Liste der Nachteile dieses Dämmstoffs ist lang: Sie reicht vom übermäßigen Rohstoffverbrauch bei der Herstellung aus Erdöl über den Einsatz giftiger Brandschutzmittel bis hin zur teuren Entsorgung.

Eine Frage des Preises

Stein- und Glaswolle dämmen ebenso gut wie EPS und lassen sich problemlos recyceln. Allerdings sind die Investitionskosten gut ein Drittel höher. Noch nachhaltiger sind nachwachsende Rohstoffe wie Hanf, Stroh, Holzspäne oder Schilf. Sie haben ähnlich gute Dämmeigenschaften, enthalten aber keine gesundheitsgefährdenden Stoffe und lassen sich ebenfalls ohne Probleme recyceln beziehungsweise kompostieren. Einziges Manko: Für viele dieser Stoffe existieren noch keine allgemeinen Zulassungen als Dämmstoffe, und sie sind um ein Vielfaches teurer als EPS und Co.

Der jeweilige Dämmstoff macht jedoch nur einen Teil der Fassadenkonstruktion aus. Eine ebenfalls zentrale Rolle spielt die Art der Fassade sowie die für die äußere Hülle verwendeten Materialien. Vorgehängte hinterlüftete Fassaden sind heutzutage die Standardvariante bei prestigeträchtigen Wohn-, Büro- und Gewerbebauten. Hier trägt eine Unterkonstruktion aus Metall die vor äußeren Witterungseinflüssen schützende Sichtfassade. Wärmedämmung und Wetterschutz sind also voneinander getrennt. Dadurch bietet dieser Fassadentyp sehr viel größere Gestaltungsspielräume in architektonischer Hinsicht. So können als Materialien für die Außenhülle beispielsweise Metallbleche aus Kupfer oder Aluminium, Holz, Naturstein, Keramik und Glas verwendet werden. Nachhaltig wird das Ganze vor allem dann, wenn die Fassadenfläche als Energielieferant genutzt wird.

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