Markt

Klartext in Sachen Digitalisierung „Die Branche wird sich bereinigen“

Geschäft mit den Daten: Google könnte schon bald ein ernstzunehmender Konkurrent der Immobilienbranche sein.

Kritische Selbstreflexion und Problemeinsicht sind der erste Schritt auf dem langen Weg des digitalen Wandels. Viktor Weber, Gründer und Chef des Future Real Estate Institute, erklärt, wo es in Sachen Digitalisierung der Immobilienbranche noch hakt.


11.08.2017 um 10:15 Uhr
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Die Zeit des Schönredens ist vorbei, wie die Studie „Digitale Transformation und Innovation in der deutschen Immobilienbranche“ zeigt, die vom Future Real Estate Institute im Auftrag des Immobiliendienstleisters CBRE angefertigt wurde. Dabei wurde das gesamte Themenspektrum der Digitalisierung tiefgehend analysiert und unter anderem Technologien wie Blockchain, Künstliche Intelligenz oder Sensorik vorgestellt.

In diesem Artikel erwartet Sie jedoch keine Kurzzusammenfassung der Studie, sondern Klartext.

Ideenreichtum und Umsetzungsarmut

Den Entscheidern der Immobilienbranche mangelt es nicht an guten Ideen oder einer Vision für die Zukunft der Industrie, sondern an der Umsetzung. Gleichwohl zeigt sich, dass es wenig Ansätze oder konkrete Konzepte gibt, wie die jeweiligen Ideen realisiert werden könnten.

Oftmals liegt dies an mangelndem Wissen zu digitalen Themen oder innovativen Technologien. Bei intensiv diskutierten Themen wie der Künstlichen Intelligenz oder Blockchain haben lediglich 17,4 beziehungsweise 9 Prozent der Studienteilnehmer ein solides Wissen. Und die Analyse der offenen Textfragen und übrigen Antworten zeigte, dass diese Selbsteinschätzung sogar noch zu optimistisch war.

Early Mover und Spätaufsteher

Viele Akteure, die die finanziellen Mittel hätten, sich digital zu transformieren oder Ideen zu verwirklichen, scheuen davor zurück in die Rolle des Early Mover oder Adopter zu schlüpfen. Die Angst, dass eine Investition keinen Profit erzeugt oder erst langfristig Früchte trägt, führt dazu, dass weite Teile der Branche abwarten. Dieses Verhalten kann nicht als pauschal falsch abgetan werden, da es einer fundierteren Wissensgrundlage auf Seiten der Unternehmen bedarf, um sich richtig zu positionieren und Ideen auch sinnhaft umzusetzen. Jedoch bedeutet dieses Abwarten, dass man teils branchenfremden Akteuren den Markt der Zukunft überlässt. Hier gilt es individuell abzuwägen. Möchte man versunkene Kosten oder verpasste Profite riskieren?

Lust auf Transformation?

Wandel bereitet fast jedem Menschen Schwierigkeiten, in manchen Bereichen des eigenen kognitiven Spektrums mehr oder weniger. Dies gilt nochmals verstärkt für das Arbeitsleben, da in Realität nicht jeder Mensch für seine Arbeit brennt. In Wahrheit gefällt oftmals bequeme Arbeit und nicht konstantes Lernen.

Seit der Einführung des Internets, der exponentiell zunehmenden Datenflut und globalisierten Wertschöpfungsprozesse haben sich die Abstände der Veränderung immer weiter verkürzt. Dies bereitet Mitarbeitern aller Hierarchiestufen Kopfzerbrechen, und da die Geschäfte noch gut laufen, vertagt man gerne die unbequeme Wahrheit, nämlich das Veränderung essentiell ist, auf morgen oder übermorgen. 50 Prozent der Studienteilnehmer bemängeln genau diesen Zustand in ihren Unternehmen, sodass der Mangel an Veränderungsbereitschaft auf Platz 1 der Hemmnisse für den digitalen Wandel gewählt wurde.

Dies zeigt aber auch, dass ein signifikanter Teil der Branche nach vorne möchte und Veränderung wünscht, sich jedoch durch Kollegen und Kolleginnen sowie Unternehmenskultur und Führung gebremst fühlt.

Informationsasymmetrie ist nicht erhaltenswert

Je mehr Daten desto besser, scheint es. Dabei liegt ein Großteil des Datenschatzes, den Sie in Ihrem Unternehmen heute haben, noch nicht geborgen vor Ihnen. 50 Prozent der Branchenexperten gaben an, dass Daten in den jeweiligen Unternehmen nicht ausreichend strukturiert sind und heterogene Datensilos Probleme bereiten. Auch setzt sich die Erkenntnis durch, dass Informationsasymmetrie im digitalen Zeitalter keine tragende Säule des Kerngeschäfts sein sollte.

Sobald sich diese Erkenntnis allgemein durchgesetzt hat, kann die deutsche Branche mit aggregierten Datensätzen weit mächtigere Modelle, beispielsweise im überwachten Bereich des Maschinellen Lernens trainieren, sodass neue Möglichkeiten der Wertschöpfung entstehen können.

Fazit

Die Branche wird sich bereinigen und es gibt etliche Visionäre, die in Startups und etablierten Unternehmen daran arbeiten. Auch wenn der Kampf für eine innovativere Branche manchmal wie Don Quichottes Kampf gegen Windmühlen anmutet, ist er nicht vergebens. Es bedarf einfach mehr Mut für Experimente und mehr Lust am Lernen. Die deutsche Branche steht noch in den Kinderschuhen der digitalen Transformation und Sie können diese digitale Zukunft aktiv prägen.

 

>> Sie wollen die Studie? Dann schicken Sie eine Mail mit dem Stichwort „Die Immobilie“ an contact@fre-institute.com

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