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Alexander Harnisch von Diamona & Harnisch Das Smart Home braucht intelligente Bewohner

Virtuelle Assistenzsysteme wie Amazon Echo mit der künstlichen Intelligenz namens Alexa finden in den Vereinigten Staaten starken Absatz und werden wohl bald auch vermehrt in deutsche Wohnräume einziehen

Dank neuen technischer Errungenschaften und kleinteiligeren Produkten findet die virtuelle Intelligenz Einzug in immer mehr Häuser und Wohnungen. Dass das durchaus Gefahren birgt, erläutert Alexander Harnisch, Geschäftsführer des Berliner Projektentwicklers Diamona & Harnisch.

Von: Alexander Harnisch
07.04.2017 um 14:42 Uhr
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Es geht langsam los. Bislang spielt das „Smart Home“ im Leben der Deutschen noch eine untergeordnete Rolle. Viele scheuen Aufwand und Preis, den der Einbau von intelligenten Heizungssystemen, Rollläden und Sicherheitssystemen mit sich bringt. Das könnte sich bald ändern. Dank neuen technischer Errungenschaften und kleinteiligeren Produkten findet die virtuelle Intelligenz Einzug in immer mehr Häuser und Wohnungen.

Ein Beispiel sind virtuelle Assistenzsysteme wie Google Home oder Amazon Echo mit der künstlichen Intelligenz namens „Alexa“. Diese finden in den Vereinigten Staaten starken Absatz und werden wohl bald auch vermehrt in deutsche Wohnräume einziehen. Zu Beginn und für sich alleine können die digitalen Helfer zwar relativ wenig, ein Taxi bestellen oder Bahnverbindungen buchen etwa. Aber man kann sie beispielsweise auch den Smart-TV-Fernseher steuern lassen. Mancher kommt vielleicht auf den Geschmack und kauft smarte Glühbirnen, um den virtuellen Assistenten das Licht dimmen zu lassen. Als nächstes folgt ein vernetzter Kühlschrank, dann eine intelligente Heizungssteuerung, schließlich ein Alarmsystem. Schneller, als man gedacht hat, sind große Teile des Zuhauses, der Privat- und Intimsphäre miteinander vernetzt und mit dem Internet verbunden. Das birgt durchaus Gefahren.

Ein kurioses Beispiel lieferte Amazons „Alexa“ zu Beginn dieses Jahres in den USA. Ein kleines Mädchen hatte, ohne dass seine Eltern etwas davon wussten, über „Alexa“ ein Puppenhaus und Kekse bestellt – am nächsten Tag standen die Puppenstube und zwei Kilo Kekse vor der Tür. Kurze Zeit später strahlte ein lokaler Fernsehsender einen Bericht über den ungewöhnlichen Einkauf der Sechsjährigen aus. In dem Bericht fielen auch die Worte, mit denen sie die Bestellung aufgegeben hatte: „Alexa, bestelle mir ein Puppenhaus“. Das wiederum führte dazu, dass bei vielen Fernsehzuschauern, die ebenfalls ein Amazon-Gerät zu Hause und in der Nähe des Fernsehers stehen haben, genau dasselbe passierte: „Alexa“ orderte ihnen unbemerkt ein Puppenhaus.

Neue Technologien gehen immer mit bis dahin ungekannten Schwierigkeiten einher. Die Erfahrung zeigt, dass gerade in der Übergangsphase neue Herausforderungen unterschätzt oder zu spät wahrgenommen werden. Nicht jeder ist sich der Gefahren und Probleme bewusst, die eine Vernetzung des Zuhauses mit sich bringen kann. Im Falle der Puppenstube tat das niemandem weh, aber was ist beispielsweise, wenn die heimische Heizungsanlage von außen ausgeschaltet und betriebsunfähig gemacht wird? Das ist schon einmal passiert, in einer Stadt in Finnland, wo Hacker den zuständigen Server zum Erliegen gebracht haben.

Noch ist Smart Home eine Spielerei, die von wenigen genutzt wird. Das heißt aber nicht, dass es so bleiben wird. Nicht mit einem Mal, aber Stück für Stück werden Wohnungen und Häuser digitaler werden. Das ist durchaus vorteilhaft und wünschenswert: Ein intelligentes Zuhause verspricht erhöhten Komfort und eine größere Energieeffizienz. Wichtig wird aber sein, dass sich ein Bewusstsein entwickelt, dass unser Zuhause dadurch auch verwundbarer wird.

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